Neues Konzept fürs Heimatmuseum

 
Kreis-Anzeiger 22.08.2014

PRÄSENTATION Schottener Stadtgeschichte und der Vogelsberg sollen in Fokus der Ausstellung rücken / Vorübergehende Schließung

SCHOTTEN – (sw). Das Vogelsbeger Heimatmuseum in Schotten wird neu gestaltet. Schon seit einiger Zeit haben sich der Stiftungsrat der Weber-Pröscher-Sauer-Stiftung als Träger des 1816 errichteten und 1908 im Inneren nach Art des Jugendstils umgebauten Fachwerkhauses sowie der Schottener Kultur- und Geschichtsverein grundlegende Gedanken über die Neuaufstellung des Museums gemacht. Die beiden Historiker Kirsten Hauer und Friedhelm Krause haben mit Unterstützung des Hessischen Museumsverbandes die Vorstellungen bis ins Detail weiterentwickelt und das Vorhaben jetzt in den Museumsräumen präsentiert.

Wie Elke Schmidt von der ehrenamtlichen Museumsleitung sagte, werden künftig das Haus und das Leben der Familie Weber-Pröscher sowie die Geschichte der Stadt Schotten und des umgebenden Vogelsberges im Mittelpunkt des Museums stehen. Auf andere bislang ausgestellte Themen werde zukünftig verzichtet. „Wir wollen mehr Wert auf eine bessere touristische Ausrichtung legen“, betonte die Vorsitzende des Kultur- und Geschichtsvereins, der das Museum betreibt.

Die Entwicklung des Feinkonzeptes habe rund zwei Jahre in Anspruch genommen, erläuterte Kirsten Hauer. Ausgangspunkt seien das Raumangebot mit rund 400 Quadratmetern, verteilt auf drei Stockwerke, sowie der Bestand an Sammlungen gewesen. Ein wichtiger Aspekt der Vorarbeiten habe den „Blick über die Ortsgrenzen“ beinhaltet. „Wir wollen ein museales Alleinstellungsmerkmal in der Region schaffen und Überlappungen mit Themenschwerpunkten benachbarter Museen vermeiden“, betonte Hauer.

Als Zielgruppen, die nach der Neugestaltung in das Heimatmuseum gelockt werden sollen, nannte die Historikerin sowohl Einheimische als auch Touristen, Schüler und an speziellen Themen Interessierte.

Zum zukünftigen Alleinstellungsmerkmal des Schottener Museums gehörten zunächst das Gebäude an sich und die Darstellung als Wohnhaus der Familie Weber-Pröscher, des Weiteren die Schottener Stadtgeschichte mit dem Schwerpunkt als Kreisstadt bis 1938 sowie die Verbindung zum Vogelsberg. Weitere nur Schotten zuzuordnende Themen seien die Wintermetzger, das Schottenring-Rennen in der Phase von 1925 bis 1955 sowie die ehemalige Forstschule.

Haus und Museum sollen im Erdgeschoss vorgestellt werden, wo auch wie bisher der Empfangsbereich sein wird. Auch wird hier der Platz für Sonderausstellungen sein. Das erste Obergeschoss wird Einblicke in die Wohnung und das Leben der Familie Weber-Pröscher in den 1930er Jahren geben mit Vorstellung der Hausbewohner und hier verkehrender Gäste. Das zweite Obergeschoss ist zukünftig der Geschichte Schottens und des Vogelsberges sowie speziellen Themen gewidmet. Dazu gehören die Geschichte der Forstschule sowie der Landwirtschaft im Vogelsberg, die Gründung des Vogelsberger Höhen-Clubs (VHC) mit den touristischen Anfängen, der Schottenring und „Leben mit Holz in Hessisch-Sibirien“, ein umfangreiches Themenspektrum mit Forstwirtschaft, Holzhandel und Handwerk. „Holz wird sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung ziehen“, so Hauer. Eingerichtet wird in diesem Geschoss auch ein Veranstaltungsraum, der als Ausstellungsfläche mit Themen etwa zur Schottener Stadtgeschichte genutzt werden wird.

Das Feinkonzept für die neue Museumsgestaltung enthält auch einige Besonderheiten. Dazu gehört nach Angaben der Historikerin die fotografische Darstellung Schottens unter dem Blickwinkel „früher und heute“.

Neu im Museum präsentiert wird der Themenbereich Nationalsozialismus, der seither nicht präsent war. „Dieses Thema wird nicht in einem eigenständigen Bereich aufgearbeitet, sondern wird sich durch die gesamte Ausstellung ziehen“, kündigte Hauer an. Neben dem Schicksal der jüdischen Mitbürger werde auch die „nicht unumstrittene Person“ des Museumsgründers Sauer beleuchtet.

„Das neue Museum soll sowohl Freizeit- als auch Bildungseinrichtung sei“, betonte die Historikerin. Neben den „authentischen Ausstellungsobjekten“ und vielen Originalfotos wird es Informationstafeln und Hörstationen geben. Solche vertiefenden Informationsquellen werden auch für andere Ausstellungsbereiche zur Verfügung stehen.

Das vorgelegte Konzept ist vom Museumsverband genehmigt und daher förderfähig. Die nun bevorstehende gestalterische Umsetzung bezeichneten die beiden Historiker als „einen langen Weg mit vielen Baustellen“. Elke Schmidt wollte sich auf kein konkretes Zeitfenster festlegen, nannte aber eine Zeitspanne von drei bis vier Jahren. Geplant ist voraussichtlich ab September die vorübergehende Schließung, da die Exponate für die Zeit der Umgestaltung und wegen baulicher Sanierungsmaßnahmen ohnehin ausgelagert werden müssen.