Schotten-Museum

Unser Heimatmuseum ist am Mittwoch und Sonntag jeweils von   14.30 bis 17.30 Uhr geöffnet

 

Ein neuer Ausstellungsschwerpunkt ist die Schottener Stadtgeschichte

Am 29. Januar 2023 wurde der neue Ausstellungsschwerpunkt eröffnet. Unser Kuratorin Kirstin Hauer erläuterte im Rahmen einer kleinen Feierstunde die Ideen der Kuratoren (neben ihr Friedhelm Krause) und deren praktische Realisierung durch Thomas Scheuermann. 

 

 

Unsere Kuratorin Kirsten Hauer

 

Faktisch handelt es sich um zwei kleine Räume, die eine Themen-Abteilung mit mehreren Jahrhunderten Stadtgeschichte beherbergen. Sie ahnen schon: Das war eine Herausforderung. Und das Problem war nicht nur die Frage: Wie bekommen wir diese lange Zeit der Stadtgeschichte in die Räume? Sondern auch: Wie fügt sich diese Abteilung in den Rundgang ein?

Die im Konzept der Gesamtausstellung vorgesehenen Themen gruppieren sich um die großen Einheiten: Haus, Familie, Stadt und Vogelsbergregion – mit vielen Unter- und Spezialthemen wie den bereits realisierten Ausstellungseinheiten zur Forstschule, zum Thema Holz im Vogelsberg oder den demnächst an den Start gehenden „Rennen rund um Schotten“, deren große Zeit von 1925 bis 1955 noch auf der Museums-to-do-Liste steht.

Ein so großer Fundus, wie er in Schotten vorliegt, ist ein Luxusproblem, aber am Ende dennoch ein Problem. Und manchmal kommt alles zusammen und dann wird zu allem Überfluss noch die Frage relevant: Wie soll eigentlich die Besucherführung organisiert werden? Im vorliegenden Fall der Stadtgeschichtsabteilung sind zwei Rundgangsvarianten möglich, die bereits vor Jahren im Konzept sinnvoll zu gestalten waren: Das Problem war nämlich, dass Besucher müssen sich entscheiden müssen, ob sie vom Flur aus zunächst in die authentischen Räume der Familie oder direkt in die stadthistorische Abteilung gehen wollen

Kommt der Besucher die Treppe zur „Beletage“ hinauf, sieht er ein großes Wandbild Schottens mit einigen Attraktionen der Stadt, das sie in der Vogelsbergregion verortet, die im obersten Stockwerk die Hauptrolle spielt. Diese Position bildet sowohl den Auftakt für die Stadtgeschichte als auch die Kulisse der Familiengeschichte, lässt den Besucher von der Gegenwart in die Vergangenheit wandern. 

Wer von hier geradeaus in die Stadtgeschichte weitergeht, kann sie chronologisch nachvollziehen von den Anfängen, einer Kirchengründung in Buchonia, über die erste Blüte als Wallfahrtsort im 14. Jahrhundert, in dem Schotten auch seine Stadtrechte und zwei Stadtherren erhielt, die Trimberger und die Eppsteiner. Danach charakterisieren bunte Herrschaftsverhältnisse das Schicksal der Stadt, die Anfang des 15. Jahrhunderts schließlich unter die Verwaltung der hessischen Landesherren kam und 1583 durch Tausch an Landgraf Georg I. von Hessen-Darmstadt überging. 

Dennoch verwalteten sich die Schottener (wie Stadtbürger allgemein) weitgehend selbst durch Bürgermeister und Stadträte. Sie organisierten das Leben in der Kleinstadt, in der insbesondere die Tuchproduktion, das „Schötter Tuch“ eine wichtige Rolle spielte und später die Wintermetzgerei. Mit der Modernisierung der Landesverwaltung entstand auch die Kreisverwaltung. So wird Schotten im 19. Jahrhundert Kreisstadt und erlebt einen neuerlichen Aufschwung. Es wird Behördensitz, ein vielfältiges Vereinsleben entsteht, der Eisenbahnanschluss kommt. 

Schotten bekommt einen Eisenbahnanschluss

Im Nationalsozialismus verliert Schotten 1938 seine Kreisstadtfunktion und wird dem Kreis Büdingen zugeschlagen. Nationalsozialistische Gewaltherrschaft und ihre Verbrechen bezeugen zum Ende der Abteilung die „Mitbürger“ Abraham Kaufmann und Sally Kahn, deren Schicksale beleuchtet werden. Für die Überschrift „Mitbürger“ haben wir uns sehr bewusst entschieden, wohlwissend, dass es eine breite Diskussion in Publizistik und Geschichtswissenschaft um dieses Wort gibt. Nicht zuletzt der renommierte Historiker Julius Schoeps wehrt sich gegen diese Bezeichnung, da sie von vornherein einen aktiven Einschluss und nicht ein ohnehin Dazugehören impliziere. Und dennoch hat sich zum Beispiel die Universitätsstadt Marburg mit der jüdischen Gemeinde in jüngster Zeit bewusst für dieses Wort bei der Anlage des Gartens der Erinnerung entschieden. Das Benutzen einer Vokabel bietet wie man sieht auch Möglichkeiten über ihren Gehalt zu sprechen und Anschluss an die aktuellen Forschungen zu bekommen. Auch das ist uns wichtig: Diskussionen anzustoßen, Fragen zuzulassen, nicht alles aus einem Guss darzustellen. Moderne Museen sind Orte des Gesprächs und der Auseinandersetzung und das ist gut so – auch wenn derlei eher in der Vermittlungsarbeit zum Tragen kommt.

Am Eingang zur "aktuellen Stadtgeschichte"

Da stehen wir also nun gegen Ende der stadtgeschichtlichen Darstellung im zweiten Raum. Und was wenn wir anders herum gegangen wären?

Dann hätten die authentischen Räume Sie mit der Familie Weber-Pröscher, der Person Karl Webers und seinem Wirken in Stadt und Vogelsbergregion vertraut gemacht. Beim Wechsel in die stadtgeschichtliche Abteilung empfängt Sie anschließend genau die Zeit, in der das Museum entstanden ist: Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Eine Hörstation lässt Dr. Rausch, Rektor der Höheren Bürgerschule mit einer Beschreibung Schottens im Jahr 1905 zu Wort kommen. Bürgermeister Mengel, der das Testament der Weber-Pröschers nach dem Tod Annas 1936 u. a. mit der Museumsgründung umzusetzen hat, wird ebenso dargestellt wie Kreisrat Schönfeld, der Verleger Philipp Engel und der „Wurstmaler“ Anton Glaser – Zeitgenossen der Mitbürger Kahn und Kaufmann.

Konzepte sind also nicht beliebig sind und dementsprechend auch nicht beliebig umzustellen, sondern sie müssen ihre innere Logik und Balance im Umsetzungsprozess behalten. Zudem sind die Objektpräsentation, die Objektbeschriftungen, Texttafeln und Hör- sowie Videostationen immer im Zusammenhang zu denken und sollten – insbesondere auf engem Raum – nicht allzu redundant und vor allem möglichst zügig rezipierbar sein. Von daher erwarten Sie kurze Texte und – wie es in der Museumsarbeit so schön heißt – kontextualisierte Exponate, die in den jeweils behandelten Zeitraum der Stadtgeschichte oder ein besonderes Thema führen.

Welchen Weg auch immer Sie jetzt wählen: Wir hoffen Sie sind gewappnet und werden sich danach gespannt sein auf die noch ausstehenden Abteilungen zum Schottenring und zum Puppenschnitzer Falkner, zwei herausragenden Alleinstellungsmerkmalen nicht nur in der regionalen, sondern durchaus hessischen Museumslandschaft.

Mit unserem großen Dank an die uns sehr ans Herz gewachsenen Vereinsmitglieder für die stets vertrauensvolle und zielgerichtete Arbeit wünschen wir Ihnen allen nun einen guten Weg durch die Ausstellung und hoffen sehr, Ihre Wege werden Sie jenseits dieser Eröffnung immer mal wieder zu den Angeboten des Vereins und in das Haus der Weber-Pröschers führen.

Kreis Anzeiger vom 31.1.2023

 

Ausblicke auf 2023

2022 wurden für rund 66.000 Euro die Räume für die Geschichte des Schottenrings restauriert. Davon konnten 60.000 Euro durch eine Förderung aus dem Bundesprogramm »Neustart Kultur« finanziert werden. Der Vogelsberger Kultur- und Geschichtsverein, als Betreiber des Heimatmuseums, hat rund 6.000 Euro für die Planung aus eigenen Mitteln beigesteuert.

Im Rahmen der Neugestaltung wurde auch eine Wand durchbrochen. Der neue Raum wirkt so optisch größer und ansprechender. Neben einer großen Wandgrafik des alten Schottenrings sind zwei historische Motorräder zu sehen, eine Zündapp sowie eine DKW-200, Baujahr 1027. Das riemenangetriebene Gefährt – eine Leihgabe von Reinhold Lutz (Gedern) – verfügt über vier PS und schafft eine Spitzengeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern.

Für die neuen Räume fehlt jedoch noch die museale Ausstattung. Das wird 2023 ein Schwerpunkt für den weiteren Ausbau des Museums sein. Dafür werden ca. 35.000 Euro an Kosten veranschlagt, von denen der Kultur- und Geschichtsverein 40 Prozent selbst tragen muss und für die er Spenden einwerben muss.

 

Dieses 1927 gebaute DKW-Motorad ist in dem neu gestalteten Raum des MSC Schotten zu bewundern.

Text in Anlehnung an den Artikel “Motorradhistorie live erleben” im Kreis Anzeiger vom  24. November 2022

Fotos: Drinkuth

Bericht Kreis Anzeiger 24. Juni 2022
23.06.2022
Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst
Pressemitteilung
Vogelsberger Heimatmuseum Schotten ist „Museum des Monats“

Ausstellung nimmt mit auf eine Zeitreise in die Geschichte der Region.

Das Vogelsberger Heimatmuseum Schotten nimmt seine Besucherinnen und Besucher mit auf eine Zeitreise: Im stattlichen Fachwerkbau in der Altstadt zeigen historisch eingerichtete Räume das Leben einer bürgerlichen Familie Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, die Forstgeschichte der Region und auch ein dunkles Kapitel der Gegend. Der Vogelsberger Kultur- und Geschichtsverein Schotten e.V. hat das Museum mit viel Liebe zum Detail neu konzipiert. Dieses Engagement wird nun gewürdigt: Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn hat heute dem Haus die Auszeichnung „Museum des Monats“ verliehen und 1.000 Euro Preisgeld überreicht.

Museumsperlen ins Licht rücken

„Nach coronabedingter Pause bin ich sehr froh, endlich wieder die meist kleinen, aber feinen Perlen unserer Museumslandschaft mit unserer Auszeichnung ,Museum des Monats‘ ins Licht zu rücken. Das Schottener Heimatmuseum ist eine solche Ausstellung, die unsere Aufmerksamkeit verdient“, so Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn. „Sie zeigt anschaulich und greifbar das Leben im Vogelsbergkreis, sowohl Alltag als auch politische Entwicklungen – und spart auch die dunklen Seiten wie die Sonnenwendfeier auf dem Hoherodskopf mit Hitler und Göring nicht aus. Die Neukonzeption des Museums ist hervorragend gelungen und ich freue mich, dass wir sie seit 2018 mit rund 155.000 Euro unterstützen konnten. Mein Dank gilt den engagierten Mitgliedern des Vogelsberger Kultur- und Geschichtsvereins Schotten und allen, die dazu beitragen, dass dieses Museum ein Anziehungspunkt für alle ist, die die Geschichte der Region erleben möchten. Herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung!“

Authentische Räume und eine Forstschule

Das Museum befindet sich im ehemaligen Haus der Schottener Familie Pröscher. Es war nach der Heirat des Forstassessors Karl Weber mit Ida Pröscher das Zentrum der Familie. Die neu gestaltete Ausstellung zeigt in authentisch eingerichteten Räumen der damaligen Epoche, wie wohlhabende Bürgerinnen und Bürger lebten – inklusive Arbeits- und Jagdzimmer von Staatsrat Weber. Die Ausstellung im zweiten Stock widmet sich der Forstwirtschaft. Die Forstschule in Schotten, für die sich Weber einsetzte, bildete rund 2.000 Förster aus – und trieb auch die Wiederaufforstung des um 1800 weitgehend kahlen Vogelsberg an. Auch die Landwirtschaft und Reformbestrebungen wie der Generalkulturplan, mit dem der darbenden Bevölkerung neue Perspektiven gegeben werden sollten, sind Thema.

 

Rundgang durch das Museum
"Eine Perle"
Eintragung in das Gästebuch

Unsere Förderer

Wir danken folgenden Firmen & Vereinen für Ihre Unterstützung:

partnerprogramm_fuer_vereine_logo
partnerprogramm-volksbank_fuer_vereine_logo
Logo Museumsverband
logo hessen

Heimatmuseum Schotten / Vogelsbergstrasse 95 / 63679 Schotten / Kontakt Dr. Jutta Kneißel / Mobil: 0160 8994225 / info@heimatmuseum-schotten.de